Das Projekt «Claywood» der arento AG in Grüt zeigt, wie klimafreundliches Bauen und Wohnen vom Fundament bis zur Inneneinrichtung als ganzheitliches System gedacht werden kann – kein Zement, kein Beton, stattdessen Lehm direkt aus dem Aushub, leimfreies Holz und Recyclingmaterialien.
Anstelle eines bestehenden Einfamilienhauses entstand ein Mehrfamilienhaus, bei dem Materialien und Innenausbau des Bestandsgebäudes weitgehend wiederverwendet wurden. Wände aus Lehm mit integrierter Wandheizung speichern Wärme, regulieren die Raumfeuchtigkeit und sorgen für ein angenehmes Innenklima – ganz ohne sichtbare Technik. Lehmsteine werden vor Ort mit einer selbst konstruierten Presse aus Aushubmaterial gepresst; Pflanzenkohle bindet zusätzlich CO₂ und rückgebaute Ziegel liefern den Sand für neue Steine. Ergänzend kommen Steine von Terrabloc und Oxara zum Einsatz – zu rund 98% aus lokalem Lehm, mit einem zementfreien Bindemittel auf Basis mineralischer Salze und recyceltem Abbruchmaterial, vollständig rückbaubar.
Was das Projekt zum Referenzfall macht, ist die Konsequenz, mit der das System zu Ende gedacht wird: Das unbehandelte Holz bindet langfristig CO₂, die Photovoltaikanlage mit über 180 Modulen produziert mehr Strom als das Gebäude verbraucht, und bidirektionale Ladestationen speichern Überschussenergie in Elektroautos, die sie bei Bedarf wieder ins Hausnetz zurückspeisen. Nach dem ersten Betriebsjahr bestätigen es die Zahlen; dass das Konzept aufgeht – und dass klimafreundliches Bauen nur als System funktioniert, das Energie, Mobilität und Nutzung zusammendenkt.
Im Webinar diskutieren wir anhand des Projekts Claywood, welche Material- und Systementscheide – von der Kreislaufführung der Baustoffe bis zur Energiestrategie – massgeblich zur Reduktion von Treibhausgasemissionen dieses Mehrfamilienhauses und somit zur Einhaltung der CO2-Zielwerte nach SIA 390/1 - beitragen.